Industrie-Architektur trifft Gartenstadt – eine Workshop-Reihe in Leipzig
4 Termine, 2 Orte, 20 Teilnehmende – wir sind sehr zufrieden und beglückt über eine neue kleine Kooperation in Leipzig: Architektur-Input, Stadtführung und STADTSTEMPEL-Workshop in einem, zusammen mit Kim Junker (Architektin M.A. und unsere Residency-Bekanntschaft aus der HALLE14, Zentrum für zeitgenössische Kunst, Leipzig: da wir uns so für Orte interessieren und Details erkunden, finden wir das erwähnenswert…). Was wir aus dieser Workshop-Reihe mitnehmen? Menschen zum „slow down-Drucken“ angeregt, Kontakte geknüpft, über die Methode gesprochen, analoges Miteinander, neues entdeckt zu haben. Zum Beispiel: Es gibt richtig viele verschiedene Keller-Gitter, ein Bagger reicht für 1 Stunde Knetstempel-Druck fast nicht aus, so viel ist da zu finden, Autoreifen haben eine gewisse Sogwirkung, Holzwurm-Löcher sind besonders schön im Knetstempel-Druck anzusehen, Kim hat viel zu erzählen. Wir kommen wieder, Westwerk und Meyer‘sche Häuser!
Im Mai in Leipzig: STADTSTEMPEL-Workshops mit Architektur-Input
Herzliche Einladung zu vier STADTSTEMPEL-Workshops & Architektur-Inputs im Mai! Rund um das Westwerk in Leipzig-Plagwitz, sowie rund um die Meyer’schen Häusern in Leipzig-Kleinzschocher wird gelauscht, gesucht, gefunden, gestempelt, kooperiert. Diesmal arbeitet Lena zusammen mit Kim (Architektin, M.A.) und freut sich auf den Austausch! Hier gibt es alle Infos zu den vier Workshop-Abenden im Mai.
Talk mit dem Kollektiv Raumstation in der Alten WU (Archiv der Aneignung x Stadtstempel-Projekt)
Neben der praktischen gestalterischen und vermittelnden Arbeit rund um das Stadt- oder auch Knet-stempeln, setzen wir uns auch theoretisch damit auseinander und treten mit verschiedenen Partner_innen in den Dialog, um Gedanken zu sortieren, Blicke aus anderen Disziplinen hinzuzunehmen und zu erörtern, was die Methode kann und (in uns) hinterlässt.
Im Rahmen der Vienna Design Week haben 3 diskursive Formate, hier „Sichtungen“ genannt, stattgefunden: Ein Talk in der Ausstellung im musa mit der Architektin und Buchkünstlerin Anna-Maria Wolf und dem Mediensoziologen Marc Ries, ein gemeinsames Analysieren von Methoden zur Raumaneignung zusammen mit Kollektiv Raumstation Wien in der Alten WU und ein Gespräch mit Kai Rosenstein vom Team des World Design Capital Frankfurt/Rhein Main 2026 im Rahmen deren Auftritt bei der Vienna Design Week.
Es folgt ein Auszug aus dem Gespräch am 27.9.25 mit Anna-Maria Wolf und Marc Ries:
MK Im öffentlichen Raum ist man unter Beobachtung. „Was machen die da?“ Hin und wieder sprechen Leute uns an. Man kommt den Dingen schließlich sehr nah. Man berührt sie und macht etwas, was man von aussen nicht so richtig einschätzen kann in dem Moment.
LS Es steckt auch eine Utopie dahinter – die ganze Welt aufnehmen zu wollen. Wir haben jetzt in Wien vielleicht insgesamt zwei Quadratmeter Stempeldruck gemacht. Das kann unendlich weitergehen.
Das Arbeiten mit der Knete ist so niedrigschwellig, dass andere das nun auch viel machen. Es ist spannend zu wissen, dass andere zeitgleich auch mit Knetstempel arbeiten, irgendwo auf der Welt. Wir sehen Videos aus Bogotá oder aus Spanien oder manchmal auch nur aus der Nachbarstadt, wo dann plötzlich die gleiche Methode im öffentlichen Raum angewendet wird. Das ist auch ein bisschen irritierend, aber auch interessant, dass das so ansteckt. Dass alle berühren wollen und fasziniert sind davon.
AMW Man kann schon sagen, dass Menschen immer dieses Gefühl haben oder dieses Bedürfnis etwas festzuhalten. Eigentlich ist dann der Fotoapparat oder mittlerweile ist die Fotofunktion am Mobiltelefon, die gängigste Methode. In der heutigen Zeit, wo die Speicherkapazität unendlich ist und man fotografiert ohne Ende, hat man tausende Fotos und schaut sie nie wieder an. Von dem her ist es eine totale Konzentration mit der Stempeltechnik, dass man wirklich eine präzise Auswahl trifft, was man jetzt genau eigentlich festhalten möchte. Und das Festhalten, beim Halten ist es schon diese Haptik eigentlich integriert im Wort. Also man möchte etwas halten – und halten ist berühren. Und wenn man ein Foto macht mit dem Telefon oder mit dem Fotoapparat, dann hat das ja nichts mit Berühren zu tun. Es braucht sogar die Distanz damit es funktioniert.
LS Es ist nur die Fingerspitze auf dem Display.
AMW Genau, aber der Gegenstand, der abgebildet wird, der wird nicht berührt. Wenn ich so nah hingehe, dann wird das Foto nichts. Also von dem her ist ja das Festhalten eigentlich mit der Knetstempel-Technik wirklich direkt möglich. Also dass man wirklich ganz nah hingeht und wirklich nur sich einmal auch Gedanken darüber macht, welchen Ausschnitt möchte ich denn jetzt überhaupt festhalten. Und nicht: Ich mache mal so ein großes Foto und dann kann ich mir später ja noch immer reinzoomen, was ich jetzt genau anschauen möchte.
MR Ich glaube die Verzweiflung ist schnell einmal da mit dem Stempel vor einer unheimlichen Vielfalt an Dingen zu stehen. Und dann aber sehr wohl auswählen zu müssen und immer sich klar zu machen, ich kann nur einen winzigen Teil aufnehmen, mitnehmen, berühren, wie auch immer. Also die Auswahl, diese Kunst des Wählens, des Auswählens, die kommt da dazu. Und am Anfang ist man wahrscheinlich euphorisch und will halt alles Mögliche. Aber irgendwann ist klar, es bleibt bei so ganz minimalen Spuren.
(…)
vlnr: Marc Ries, Marina Kampka, Lena Schrieb, Anna-Maria Wolf
„Geschichtsabdrucke“ – Thematische Stadtrundgänge mit Workshops in Offenbach
Am 22.5.1933 fand auf dem Schlossplatz in Offenbach eine öffentliche Bücherverbrennung der Nationalsozialisten statt. Unterstützt wurde diese von den Schüler:innen und Lehrenden der Technischen Lehranstalten, der Vorgängerinstitution der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Um diese Verfehlung nicht ins Vergessen geraten zu lassen und sich kritisch mit aktuellen rückwärtsgewandten, rechten und faschistischen Tendenzen auseinanderzusetzen, engagiert sich die Ag Politics day der HfG.
Für den Jahrestag 2025 wurden in einem gestalterischen Workshop sogenannte „Geschichtsabdrucke“ im Offenbacher Stadtraum aufgenommen und künstlerisch verarbeitet. Die Geschichtswerkstatt Offenbach gab mit dem „Antifaschistischen Stadtrundgang“ Einblicke in die Orte und Geschehnisse von 1933-1945. studio pari–pari, Marina Kampka und Lena Schrieb, ermöglichten mit dem STADTSTEMPEL-Projekt eine künstlerische Auseinandersetzung. Mittels eines Knetstempels nahmen die Workshop-Teilnehmer:innen Strukturen/Buchstaben/Formen auf und druckten sie mit Stempelfarbe spontan-kompositorisch ab.
Projektbeteiligte: Konzept: Prof. Johanna Siebein und Paula Schneider, Ag Politics day mit Claus Withopf, studio pari–pari (Marina Kampka/Lena Schrieb), Geschichtswerkstatt Offenbach (u.a. Barbara Leissing, Gabriele Hauschke-Wicklaus, Angelika Amborn-Morgenstern, Brigitte Bach-Graß). Gestaltung: Amelie Paquin.
Mit freundlicher Unterstützung der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Mai, 2025
Textauszug: aus dem Programmheft der Veranstaltung „Geschichtsabdrucke“
Der Auftakt des Offenbach-Formen-Archivs! Ganz unprätentiös und dennoch neugierig gehen wir dabei vor, euch einbeziehend, auch an diesem Abend in der Buchbar – zwischen Knete und Sandwichtoaster
Ab 18:00 heißen wir euch willkommen & stempeln euch ab. Die Buchbar ist geöffnet. Ab 19:00 versammeln und vertiefen wir uns und kreisen um die bekannte Unbekannte im STADTSTEMPEL Projekt. Danach ist Geselligkeit angesagt.
Im Juli 2023 fand die diesjährige Abschlussveranstaltung für das TELLUS-Programm der Crespo-Foundation in der Frankfurt School of Applied Sciences statt. Wir stellten in einem Kurzvortrag zwei Workshops vor, in denen Studierende aus der Sozialen Arbeit, dem Lehramt und der Psychologie zusammen künstlerisch kooperierten und ungewohnte Wege einschlagen durften. Es gab Einblicke in kreative Methoden und manuelles Arbeiten im Feld des Hochdrucks, der konzeptionellen Kunst, des Collagierens und Zeichnens. Wir hatten eine tolle Zusammenarbeit mit der Crespo Foundation und den Studierenden während PICKNICK (#1) und PINGPONG (#2) und nun ein neues Repertoire an Workshops im Gepäck.
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